TVLab 2013 (6): Die Blender

U.
Stellen Sie sich vor, Sie müssten als absoluter Laie einen Abend in einem Fünf-Sterne-Restaurant unter Realbedingungen kochen. Als Nicht-Tänzer in einem Musical auftreten. Als vermeintlich schwuler Make up-Artist aus New York bei einer Modenschau aushelfen oder auf einem Symposium zur Breschnew-Ära die russische Dissidentin geben. Doch das ist noch lange nicht alles: Niemand darf Ihre Hochstapelei bemerken. Jetzt fragen Sie sich: Warum sollte ich so etwas tun? Warum? Es ist "TVLab"! Aber Sie müssen es nicht tun. Das übernehmen andere für Sie. 
Wir schicken für Sie die Blender in den Ring: zwei junge Comedians, Tahnee Schaffarczyk und Bastian Bielendorfer, die in jeder Folge vor eine neue Herausforderung gestellt werden. Die Missionen sind unterschiedlich, haben jedoch eines gemeinsam: Es gilt, so geschickt in eine andere Rolle zu schlüpfen, dass niemand merkt, wie er nach allen Regeln der Kunst geblendet wird.

Richtig gut fand ich im diesjährigen Aufguss des TVLabs ja noch nichts, aber ich hatte zu allen Formaten auch etwas Positives zu sagen. Beinahe fragte ich mich, ob ich vielleicht altersmilde werde, da kamen Die Blender um die Ecke.

Die Sendung macht den starken Eindruck, als hätten zwei Oberstufenschüler für den Kunst-Grundkurs ihre schnell gebrainstormten Ideen verfilmt. Dass die beiden Akteure zwischen den Szenen des "Blendens" zusammensitzen und sich selbst beglückwünschen, wie gut das alles gelungen sei, verstärkt diesen Eindruck.


Bastian Bielendorfer versucht sich als Künstler und borgt dabei sehr großzügig von Hape Kerkelings 20 Jahre alten "Hurz!"-Auftritt. Davor albert er in der Fußgängerzone herum und freut sich, dass Passanten mitmachen - als ob das etwas damit zu tun hätte, dass man ihm den Künstler abnimmt. Später zeigt er im Rahmen einer Vernissage Bilder, liest einen wirren Text vor und benimmt sich daneben - dass es hier überhaupt ein Publikum gibt, wird bereits als Riesenerfolg verkauft.

Noch schlechter ist der Beitrag von Tahnee Schaffarczyk, die mit Sonnenbrille, zickigem Gehabe, Manager und Stretchlimousine so tut, als sei sie ein Star. Dass ich dasselbe erst kürzlich bei Germany's Next Topmodel gesehen habe, spricht nicht für die Originalität dieser Idee. Kerkeling (schon wieder) hatte eine witzigere Version dieses Konzeptes, als er als Königin Beatrix auftrat - das war 1991.


Tahnee versucht als ultimativen Test ihres Erfolges mit der Promimasche einen Kurzauftritt bei einem Popmessen-Konzert, der prompt komplett in die Hose geht - nur sie selbst bejubelt sich, erklärt aber hinterher trotzdem begeistert, wie krass das war.

Für das Publikum ist das alles leider ziemlich uninteressant. So, TVLab, aus meiner Sicht war das der letzte Platz - zumindest, bis ich mir morgen den Voting-Spitzenreiter Tohuwabohu mit Jeanette Biedermann ansehe ...

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