Neulich auf Zeitreise: Die Playmobil-Ausstellung in Speyer

U.

Als hätte man bei einem Festivalbesuch nicht schon genug zu tun, nutzten wir unsere Mannheimreise am letzten Sonntag auch noch für einen Abstecher nach Speyer. Dort kann man sich im historischen Museum bis zum 20. Juli die Ausstellung "40 Jahre Playmobil" ansehen.


Bekanntermaßen gibt es Lego- und Playmobilkinder, ich war letzteres. Deshalb entdeckte ich, wie die meisten erwachsenen Besucher, zahlreiche Figürchen, Sets und Häuser, die ich auch einmal besessen habe. Überall in der Ausstellung sagten Erwachsene zueinander und zu ihren Kindern: "Sieh mal, das hatte ich auch mal!". Die Kinder interessierte das natürlich wenig, sie genossen aber (genau wie die Erwachsenen) die riesigen aufgebauten Dioramen, die teils bestimmte Situationen zeigten, etwa das Hambacher Fest, einen Kampf von Piraten gegen die englische Marine oder eine Straßenzeile zu Beginn des 20. Jahrhunderts.


Andere Vitrinen stellten dar, wie sich Playmobil im Laufe der Jahrzehnte verändert hat, etwa, wenn alle Piratenschiffe, die es jemals gegeben hat, hintereinander auffuhren, oder wenn man sich ein einem Kreis alle Zirkusse in historischer Reihenfolge ansehen konnte, oder auch, wie sich die Pferde im Laufe der Jahre von schematischen Darstellungen zu annähernd realistisch nachgebildeten Tieren entwickelt haben.


Auch diese Aspekte sind für jüngere Besucher natürlich von geringerem Interesse, weshalb es für sie an zahlreichen Stellen der Ausstellung möglich war, selbst mit Playmobil zu spielen und zu bauen. Die Räume waren dabei thematisch unterteilt, so dass sich jedes Kind seinem Interessengebiet, etwa Dinosauriern, Rittern, Piraten oder den Stadthäusern, widmen konnte.


Beeindruckend war insbesondere auch eine Nachbildung der Varusschlacht, die ursprünglich für die "Sendung mit der Maus" geschaffen wurde. Diesen Film wurde in der Ausstellung gezeigt, und man konnte einige der Original-Playmobilbataillone ansehen.


Die zum Teil unglaublich detailreichen Vitrinen waren von Playmobil-Fans gestaltet worden, wobei die Figuren und Zubehörteile, die beispielsweise Märchenszenen darstellten, oftmals zweckentfremdet worden waren - so wurden etwa in der ursprünglich nicht existierenden Themenwelt "Märchen" aus Piratenschiffteilen Windmühlenflügel.


Es war schon faszinierend, zu sehen, wie sich aus den recht nüchternen Plastikfigürchen, die 1974 auf den deutschen Markt kamen, und die genau drei Themenwelten abdeckten (Indianer, Ritter und Bauarbeiter) in vierzig Jahren eine solche Fülle von Themen und Figuren entwickelt hat. Eine Vitrine zeigte, welche Vielfalt von Gesichtern, Frisuren und Bärten die heutigen Playmobilmännchen haben - es gibt mittlerweile Millionen von möglichen Kombinationen.

Für Nerds und Nostalgiker gab es zusätzlich auch historische Originalverpackungen zu sehen. Unter Sammlern sind sicherlich auch die gezeigten "Sonderfiguren", die Playmobil etwa für Firmen als Werbegeschenke oder aus historischen Anlässen produzierte, heiß begehrt.


Interessant waren auch gezeigte Interaktionen mit jungen und alten Fans. So hallte es im Vorfeld der Ausstellung die Aufforderung gegeben, Playmobilmännchen an seinem Urlaubsort zu fotografieren, was vielfach zu faszinierenden Bildern führte. Rührend dagegen war eine Auswahl von Kinderbriefen, die die Firma massenweise erhält, in denen die jungen Kunden genau erklären und zeichnen, welches Spielzeug im Sortiment noch fehlt und unbedingt produziert werden sollte.


Leider hatten wir nicht so viel Zeit mitgebracht, wie der Besuch der Ausstellung eigentlich benötigt hätte(2 Stunden sollte man schon einkalkulieren), weshalb wir uns mit den Details zur Produktion der Figürchen - es gab sogar einen Film dazu - nicht mehr detailliert beschäftigen konnten. Dennoch eine sehr gut gemachte Ausstellung für Nostalgiker, Playmobilfans und Kinder in jedem Alter. Ein Eintrag ins Gästebuch der Ausstellung fasst es perfekt zusammen: "Ich würde das Museum am liebsten mit nach Hause nehmen!"

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