Neulich beim Durchfuttern: Das Essen beim A Summer's Tale 2015

U.

Zum Thema Essen hatte das A Summer’s Tale bei uns eigentlich von Anfang an einen schweren Stand. Immerhin hatten wir erst im Juli das Best Kept Secret Festival in Holland besucht, das hinsichtlich Essensauswahl alles bislang Gesehene in den Schatten gestellt hatte. Da war es nun natürlich schwer, uns zu beeindrucken.

Dass es bei einer Festivalpremiere nicht gleich ein ganzes Catering-Dorf geben würde, war bereits klar. Dennoch waren wir bei unserem Eintreffen am Mittwoch von der Zahl der Stände und Food Trucks ein wenig enttäuscht, zumal sich die Essensankündigungen auf der A Summer’s Tale-Website so attraktiv angehört hatten. Es gab für die Nahrungsaufnahme grundsätzlich zwei Bereiche: Nahe der Waldbühne, quasi direkt beim Festivaleingang, standen die Food Trucks. Von ihnen gab es etwa sieben. Im Bereich der beiden Hauptbühnen befanden sich dann ungefähr zehn Fressstände, wobei diese Zahl alles einschließt, also auch Waffeln, Eis, Kaffee und Schnaps. Nur die vom Festival selbst gestellten Getränkestände zähle ich hier nicht mit. Beim Speiseangebot hatte man Wert darauf gelegt, regionale Anbieter einzuladen, und so kamen die Stände und Trucks mehrheitlich aus Hamburg.


Beim Lesen der Website hatte ich den Eindruck bekommen, dass es eher ein Überangebot an vegetarischen Waren geben würde, dem war dann aber nicht so. Es dominierte „Pulled Pork“ und „Pulled Irgendwas“, es gab einen Wildstand, Bratwürstchen und das erfolgreichste Essensangebot an allen vier Tagen war Lachsdöner. An diesem Stand, der sich als Erfinder dieser Spezialität rühmte, war sogar dann eine Schlange Wartender, wenn er noch gar nicht geöffnet hatte. Die meisten Stände hatten irgendetwas Vegetarisches im Angebot, doch das waren häufig die Waren, die am schnellsten ausverkauft waren – im Falle des Würstchenstandes, der erst am Donnerstag auftauchte, war das besonders extrem: Ab Donnerstagabend war die vegane Wurst alle.


Überhaupt, offenbar hatte man sich bei der Essfreudigkeit der Festivalgäste in der Planung verschätzt: Schon am Mittwoch und Donnerstag gab es an den beliebteren Ständen lange Schlangen, der Burritowagen war bereits am frühen Donnerstagabend geschlossen, weil alles ausverkauft war. Als die Besucherzahl am Freitag den Höchststand erreicht hatte, musste man an allen Ständen etwa 30 Minuten anstehen, um etwas zu bekommen – und häufig war nur noch ein Bruchteil der angepriesenen Waren erhältlich. Als wir am Samstagnachmittag auf die verrückte Idee kamen, am schwedischen Kaffeestand nach einer Zimtschnecke zu fragen, erwiderte man uns, diese seien bereits seit Donnerstag ausverkauft. Offenbar war auch keine Zeit gewesen, neue zu backen oder zumindest das Schild zu ändern.

Dennoch gab es natürlich keinen Essensnotstand, wir haben immer etwas bekommen und mussten nicht hungern. Im einzelnen erwarben wir folgendes:



Am Mittwochabend zog es uns zum Tacostand des Restaurants Casita Oaxaca. Ein wenig verdächtig war es ja schon, dass direkt neben dem Festivalhit Lachsdöner so gar nichts los war, aber drei nach Wunsch gefüllte Tacos für 6 Euro klangen ziemlich gut. Leider beachtete ich nicht den Beispielteller, der auf der Theke bereit stand (er war ja auch sehr klein...), und auf dem man sehen konnte, dass die betreffenden Tacos etwa 7 cm Durchmesser hatten. Was wir erhielten, war eine Miniportion zum Maxipreis, die man mit dreimal Zubeißen verspeisen und allenfalls als Vorspeise ernst nehmen konnte. Bezeichnenderweise blieb der Taco-Stand auch das gesamte Festival über von großer Nachfrage verschont – die anderen Gäste passten offenbar besser auf als wir. Man beachte beim Bild unbedingt die Größe der Maiskörner, sonst erschient das Essen am Ende zu üppig...



Donnerstag hatte ich  Abends eigentlich auf eine vegane Wurst von Griller Instinct gehofft, aber die war ja ausverkauft. Stattdessen ging ich dann zu einem sehr erzeugermäßig wirkenden Schafskäsestand der Elbler Schafskäserei (zumindest sah man Bilder der Schafe). Eine in Alufolie gewickelte Portion gegrillter Käse mit Zucchini, Knoblauch und Zwiebeln kostete 6,50 Euro, Brot gab es nach Belieben dazu, die Alufolie konnte man zum Recycling wieder abgeben. Lecker war der Schafskäse schon, aber wiederum war das Ganze allein eher ein Snack – wenn auch bei weitem nicht so unverschämt wie die Taco-Portion des Vortags.




Mein Freund kaufte sich am Bratwurststand die reguläre Wurst und Pommes Frites – beides in völlig adäquater Menge – für je 3,50 Euro. Ich war froh, dass ich bei den Pommes mitessen durfte.



Anschließend kauften wir uns zum Nachtisch noch eine Waffel beim Food Truck Kandie, der mit verlockender Vielfalt sowie dem Versprechen, jede Waffel auch vegan zubereiten zu können, warb. Unsere Waffel mit Kirsch- und Vanillesauce war für 3,50 Euro schon fast ein Schnäppchen und schmeckte prima.



Am nächsten Tag, als ich mit auf der Waldbühne „Deine Freunde“ ansah, testete ich gleich ein weiteres Süßwarenangebot und kaufte bei der Quarkerei einen „Frozen Quark“ mit frischen Beeren, Kostenpunkt 3,50 Euro. Der Quark an sich war ziemlich geschmacksneutral, die Beerenmischung aber prima. Leider fanden das auch viele Wespen, was das Essen etwas stressig machte – das war uns am Vorabend mit der Waffel ebenfalls passiert und erklärt auch, warum ich ein dermaßen schlechtes Foto von meiner Quarkportion gemacht habe… dieser Stand, der neben Quarkeis auch normalen Quark mit Früchten und Quarkshakes anbietet, ist übrigens ein Hamburger Franchise-Unternehmen. Ich habe ihn mittlerweile auch im Frankfurter Hauptbahnhof entdeckt.



Am Freitagabend war, wie gesagt, der Run auf die Essensstände auf seinem Höhepunkt angelangt. Da der Burritostand Burristas zur Abwechslung nicht ausverkauft war, stellte ich mich dort für etwa 30 Minuten an, bestellte mir einen vegetarischen Burrito (wie bei der hier kürzlich vorgestellten Kette Chipotle musste man, wenn man die Veggie-Option bestellte, nicht extra für Guacamole bezahlen) und wartete auf diesen nochmals etwa 10 Minuten. 6,90 Euro fand ich als Preis durchaus fair, da die Burritoportion als Mahlzeit ausreichte. Das hätten sich die Kollegen vom Tacostand vielleicht einmal ansehen sollen… Der Burrito an sich war lecker, aber ich hätte ihn nicht in „scharf“ bestellen sollen. „Scharf“ bedeutete in diesem Fall „sehr, sehr scharf“.



Mein Freund nahm es auf sich, gegenüber den Foodtruck von Vincent Vegan zu testen, den wir an den ersten beiden Festivaltagen vergeblich gesucht hatten. Es war offenbar Teil des Essenskonzeptes, dass nicht jeder Stand jeden Tag anwesend war. Mein Freund stand rund fünfzehn Minuten an, die Süßkartoffelpommes waren, es war 17:30 Uhr, bereits ausverkauft, also bestellte er nur einen Burger, auf den er nochmals eine halbe Stunde warten musste. Beim Bestellen hörte er, dass die Standmitarbeiter darüber sprachen, dass die Burgerbratlinge bald aufgebraucht seien, und in der Tat wurden, als er sein Essen abholte, an die neuen Kunden nur noch Currywürste verkauft. Den Burger durfte ich probieren, er schmeckte exzellent. Ich glaube, es war Guacamole darauf, aber das behielt ich gegenüber meinem Avocado-skeptischen Freund für mich.



Am Samstag blieben wir zwischen dem Auftritt von Sophie Hunger und dem Warten auf Tori Amos der Einfachheit halber bei den Fresständen direkt an den Hauptbühnen. Hier kauften wir uns Pizza bei den Pizza Nomaden, und da wir in den letzten Tagen bereits gesehen hatten, dass auch die Pizzaportionen nicht gerade riesig waren, erwarben wir einfach zu zweit drei Viertelpizzen: einmal Salami, einmal Margherita und einmal Gemüse. Preislich bewegten sich die Portionen je nach Sorte zwischen 4 und 5 Euro, geschmacklich waren sie solide, aber auch nichts Besonderes.

Man kann nicht über das Essen beim A Summer's Tale sprechen, ohne zumindest zu erwähnen, dass täglich auch die Option bestanden hätte, in einem Zelt ein festgelegte Drei-Gänge-Menü (mit Veggie-Option) zu essen, für 39 Euro inklusive Wein und Wasser, mit Tischdecke, Porzellan und allem Pipapo. Das Angebot kam sehr gut an, aber da wir es nicht genutzt haben, kann ich natürlich nichts dazu schreiben. Jedenfalls war es in meinen Augen eine nette Idee.

Was das restliche Essensangebot angeht, war das Feedback auf Facebook recht eindeutig: Wenn Besucher überhaupt etwas am Festival auszusetzen hatten, dann Zahl und Auswahl der Essensstände. Ich würde also davon ausgehen, dass für nächstes Jahr auf jeden Fall nachgebessert wird.

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