Neulich auf Safari: Im Serengeti Park


Dieses Jahr besuchten mein Freund und ich zum dritten Mal in Folge das A Summer's Tale Festival in der Lüneburger Heide. Auf dem Hin- und Rückweg sahen wir jedes Mal Plakate, die sowohl für einen Vogelpark als auch den Serengeti Park warben - also beschlossen wir dieses Jahr kurzerhand, einen Tag früher gen Norden aufzubrechen und dem Serengeti Park in Hodenhagen einen Besuch abzustatten.


Der Park bietet diverse Übernachtungsmöglichkeiten an, sowohl in "Lodges" als auch in Wohnmobilen, die man vor Ort mieten kann und mit denen man dann im Safaripark selbst "zwischen den Tieren" schlafen kann. Für unseren Wunschtermin waren aber sämtliche Übernachtungsmöglichkeiten ausgebucht, weshalb wir dann letztlich nach dem Besuch im Park einfach einen Tag früher in unser Festival-Hotel einzogen.

Ich war im Vorfeld nur in einem weiteren Safaripark gewesen, im Parco Natura Viva am Gardasee. Dieser Zoo hatte einen Bereich gehabt, den man mit dem eigenen Auto durchfuhr, und in dem man beispielsweise Giraffen und auch Geparden in "freier Wildbahn" beobachten konnte - die einzelnen Lebensbereiche waren durch Doppeltore getrennt, was die Giraffen sicherlich zu schätzen wussten. Tatsächlich machte sich aber ein "Wildnis-Gefühl" breit, wenn man die Tiere so außerhalb des Autos ohne weitere Grenzen herumstreifen sah. Der Parco Natura Viva umfasste zusätzlich noch einen riesigen regulären Zoo, in dem man dann letztlich den größten Teil des Tages verbrachte.


So in etwa hatte ich mir den Serengeti Park auch vorgestellt, obwohl ich auf der Website bereits gesehen hatte, dass der Park auch Fahrgeschäfte enthält, also kein reiner Zoo ist. Beim Vorab-Googlen entdeckte ich auch eine Freikarte, mit der einer von uns umsonst in den Park durfte - was gut war, denn der Eintritt kostet schlappe 32,50 Euro Eintritt.


Nachdem wir am selben Tag schon aus dem Westerwald nach Niedersachsen gefahren waren, entschieden wir, den Safaripark nicht, wie es auch in Hodenhagen üblich ist, mit dem eigenen Auto zu durchfahren. Stattdessen schlossen wir uns einer Bustour an, für die man weitere 5,50 Euro pro Person berappen musste.


Diese Entscheidung kann ich nur als Fehler bezeichnen: Vorgestellt hatte ich mir, dass man bei einer Bustour viele Dinge erklärt bekommen und vielleicht auch mehr sehen würde als auf eigene Faust. Tatsächlich sind die Besichtigungsbusse aber Doppeldecker im Stil eines Londoner Buses, was bedeutete, dass man durch die Fenster gar nicht sonderlich viel sehen konnte - schon gar nicht ohne Fensterplatz.


Viel schlimmer war aber die Bustour an sich, denn die Fahrer sind offensichtlich angewiesen, alles möglichst lustig zu gestalten. Und so erzählte der Busfahrer Kalauer um Kalauer, sicherlich keinen davon auch nur an diesem Tag zum ersten Mal (Beispiel gefällig? "Ich hab' das kleine Zebra da hinten gefragt, was es denn werden will, wenn es groß ist. Wisst ihr, was das gesagt hat? Zebrastreifen!"). Wenn man es schaffte, die unlustigen Witze auszufiltern, bekam man tatsächlich auch die eine oder andere Information, etwa, welche Tierart wie viel Nachwuchs hatte, aber letztlich wären wir im eigenen Auto wohl glücklicher geworden.


Eine Attraktion hatte der Bus allerdings: Der Fahrer hatte Ahornblätter dabei, die von den anwesenden Kindern begeistert an eine Giraffe verfüttert wurden - die zu diesem Zweck natürlich ihren Kopf in den Bus streckte. Viel davon sehen konnten wir allerdings nicht, weil wir im oberen Stockwerk saßen.

Der Safaripark an sich blieb auch gegenüber unseren Erwartungen zurück. Tatsächlich war alles ähnlich wie in Italien, aber die unterschiedlichen Bereiche, die auch hier durch Sicherheitstore voneinander getrennt sind, waren sehr dilettantisch im Stil ihrer "Region" dekoriert - mit Buddhas in Asien, Holzskulpturen in Afrika, Pharaos in Ägypten und so weiter - das sah ziemlich ramschig aus. An einer Stelle gab es einen "Streichelzoo" mit Ziegen und Eseln, für den wir kurz aus dem Bus aussteigen durften - trotz vorheriger Durchsage, dass man die Ziegen nur mit dem vor Ort käuflichen Futter füttern dürfe, sahen wir, wie ein Junge eine komplette Tüte Erdnussflips ausschüttete. Nachdem es vor Ort kein Parkpersonal gab - lediglich die Busfahrer sprachen die eine oder andere Ermahnung aus - hinderte ihn auch niemand daran.


Immerhin: Vom Bus aus sahen wir, teils mehr schlecht als recht, Leoparden, Tiger, Löwen, Nashörner mit Babys, Büffel, Strauße, Zebras mit Babys, Gnus, Lamas... angeblich gibt es in diesem Bereich über 1500 frei lebende Tiere. Schade, dass der Bus die über 10 Kilometer Strecke in einer Stunde abhandelte, von der wir auch noch zehn Minuten im Streichelzoo verbrachten. Für viele Tiere hätten wir uns gerne mehr Zeit genommen.


Als die Bustour überstanden war, machten wir uns auf, den restlichen Park zu erforschen. Zu Fuß kann man vor allen Dingen Affen sehen, etwa Kattas oder auch Kapuzineräffchen und Totenkopfäffchen - und hier darf man jeweils in die Gehege hinein gehen. Dieser Teil des Zoos machte mir tatsächlich Spaß. Vor den Gehegen hängen Warnschilder, denn viele der Affen klauen beispielsweise Brillen oder Gegenstände aus offenen Taschen.


Bei den Affen zu sein war also tendenziell schön, aber wie schon im Streichelzoo hatte ich den Eindruck, dass es an Aufsicht mangelte. Nur bei den Totenkopfäffchen saß eine Angestellte, in den restlichen Gehegen waren die Besucher allein - und fassten die Affen an, was nur teilsweise gestattet war, und lockten sie auch mit Futter an. Gut kann es für all die Affen nicht sein, wenn sie vermutlich jeden Tag mit irgendeinem Mist gefüttert werden.

Das Areal mit den Affen - nicht zu allen konnte man ins Gehege, Schimpansen und Mandrillaffen waren von Wassergräben umgeben - sahen wir uns vielleicht eine halbe Stunde lang an, dann ereichten wir eine weitere "Attraktion", die "Dschungel-Safari-Tour" (wir hatten vorher die "Serengeti Safari Tour" gemacht. Nein, ich kann mir das auch nicht merken). Deren kleinere, an den Seiten offenen Busse hatten wir von unserem geschlossenen Doppeldecker aus sehnsüchtig fahren sehen, und unser Busfahrer hatte erklärt, diese Bustour sei kostenlos.


So stellten wir uns eben an, denn die kleinen Busse waren schnell voll und viele wollten mit. Als wir an der Reihe waren, fuhr unser Kleinbus, dessen Fahrer ebenfalls Witze erzählen musste, dabei aber zum Glück schlechter zu verstehen war, etwa fünf Minuten lang durch den Safaripark, wieder sahen wir Zebras und Nashörner. Doch dann bogen wir in ein Waldstück ab, den komplett künstlichen "Dschungel", wo der Rest der Fahrt stattfand. Beispielsweise wurde unser Bus von ziemlich mottenzerfressenen Plastiklöwen "angegriffen", an einem weiteren Haltepunkt sah man, wie ein Plastikmensch von einem Plastikkrokodil gefressen wurde. Viele der "Attraktionen" hatten den Zweck, die Besucher nass zu spritzen, so etwa ein mit Stimme vom Band sprechender Strauß, eine Schlange, ein spuckender, auf dem Klo sitzender (allein das ist ja schon ein Schenkelkopfer!) Wärter... Es war wirklich kaum auszuhalten, und wir konnten kaum fassen, was wir uns mit dieser Fahrt angetan hatten.

Als die Reise durch das Showelement "drittklassiger Ferienpark für Kleinkinder" endlich vorbei war, wurden wir nahe des Startpunkts wieder abgesetzt, an dem man per Schild aufgefordert wurde, diese Fahrt bitte nur einmal zu machen, damit auch andere Gäste in ihren Genuss kommen könnten. Kein Problem, ich musste nur meinen Drang unterdrücken, die noch Anstehenden zu warnen.


Nach der Bustour stand für uns noch ein Programmpunkt aus: Teil des mit dem Auto befahrbaren Parcours sind auch die Elefantengehege, die Doppeldecker fahren dort aber nicht hin - also machten wir uns noch auf einen Fußweg dorthin. Während ich zu den Haltungsbedingungen der anderen Tiere im Autobereich wenig sagen kann, sie schienen zumindest mehr Platz zu haben, als das in regulären Zoos der Fall ist, sah es bei den Elefanten ziemlich traurig aus: Die Elefantenkühe standen in einem recht kleinen Gehege, das komplett abgefressen zu sein schien, der Bulle hatte etwas mehr Platz, aber auch nicht viel, und alle standen irgendwie gelangweilt herum. Nicht schön.


Im Grunde hätten wir nun noch viele andere Dinge unternehmen können, die allesamt in unser Eintrittsgeld mit inbegriffen waren: Als weitere "Erlebnistouren" standen noch eine Fahrt mit einem Quad, die Aqua Safari (auch mit Plastiktieren) oder die "Black Mamba", ein Jetboat, zur Verfügung. Bei allem war aber von vorne herein klar, dass es mit Tieren nichts zu tun hatte. Zusätzlich gab es noch viele, viele Fahrgeschäfte (es sind mehr als 40), Trampoline, einen Mini-Kletterwald, eine afrikanische Tanzshow... nur interessierte uns all das eben nicht besonders.

So zogen wir etwas bedröppelt wieder ab. Menschen, die den Park besuchen möchten, und die ähnlich wie ich nur Interesse am Zoo-Teil haben, würde ich empfehlen:

- In jedem Fall vorher im Netz nach einem Freiticket suchen,
- die Serengeti-Safari im eigenen Auto machen, sich dabei viel Zeit lassen,
- anschließend die Affengehege besuchen,
- dann abreisen.


Kommentare:

  1. Fürs nächste Mal empfiehlt Axel den Vogelpark in Walsrode!

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    1. Wenn dort die Vögel nicht aus Plastik sind und einen anspucken, ist es da sicher besser...

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