Mein erstes Interview: Pete Fijalkowski (2)

U.
Frau Shapes, die dieses Interview arrangierte, las bei der Zusammenstellung unserer Fragen zufällig Nick Hornbys Roman Juliet Naked. In dem Buch kommt ein alternder Anhänger eines ehemaligen Musikstars vor, der - online mit Gleichgesinnten verbunden - in der Vergangenheit lebt und sich fast ausschließlich dafür interessiert, jeden Schritt, den der Künstler vor dreißig Jahren gemacht hat, nachzuvollziehen und zu interpretieren. Was dem Sänger selbst, dessen Sichtweise ebenfalls geschildert wird, einigermaßen suspekt ist. Na ja, glücklicherweise haben Miss Shapes und ich - denke ich - zu viele andere Interessen, als dass man sich da ernsthaft Sorgen um uns machen müsste. Hoffe ich zumindest. Hier kommt jedenfalls der zweite und letzte Teil des Interviews, der sich hauptsächlich um Petes literarische, cineastische und musikalische Vorlieben dreht - aber auch um seiner Erfahrungen beim Label Creation Records.

Was sind deine Erinnerungen an die Zusammenarbeit mit Creation Records?

Sie sind sehr gemischt – es war eine aufregende Zeit, aber viele von unseren Erfahrungen mit Creation waren nicht besonders gut. Ich wurde für die „Upside Down“-Dokumentation interviewt, aber ich glaube, vieles, von dem, was ich zu sagen hatte, passte nicht zu der Geschichte, die der Regisseur erzählen wollte, und so wurde es nicht benutzt.
Unser Verhältnis zu Alan McGee war auch zu guten Zeiten bestenfalls angespannt, und zum Rest der Creation-Hierarchie hatten wir eigentlich gar keine Beziehung, so dass, als Alan vom Radar verschwand, um seinen drogenverursachten Zusammenbruch zu haben, wir gar keinen Fürsprecher mehr beim Label hatten, das war natürlich keine schöne Erfahrung. Es war, als hätte man eine Beziehung mit einem Mädchen, bei dem man weiß, dass ihre Eltern einen nicht leiden können (und das Mädchen ist sich bezüglich seiner Meinung zu dir auch nicht ganz sicher!).

Nachdem wir alle den Film “Upside Down” über das Label gesehen hatten, waren wir geschockt wie schlecht und brutal diese Acid-Szene in alles hineinbrach. Wie hast Du das erlebt?

Ich glaube, unsere Plattenfirma nahm mehr Drogen als wir, aber es gab Menschen in meiner Umgebung, die sich redlich bemühten, mitzuhalten!

Viele alte Creation-Platten wie „Bandwagonesque“ von Teenage Fanclub oder „Nowhere“ von Ride werden gerade auf Vinyl wiederveröffentlicht. Gibt es solche Pläne auch für die Adorable-Alben?

2013 ist der zwanzigste Jahrestag der Veröffentlichung von “Against Perfection”, also wäre es toll, wenn wir so etwas zu diesem Anlass machen könnten.

1994 gab es in der Royal Albert Hall ein Festival, das Creations zehnten Geburtstag feierte, und fast alle Creation-Bands traten dort auf, Adorable aber nicht. Wurdet ihr gebeten, dabei mitzumachen? Oder wart ihr da schon im Begriff, euch zu trennen?

Ich habe schon immer davon geträumt, in der Royal Albert Hall zu spielen, aber wir wurden nicht eingeladen – was unsere Beziehung zum Label ganz gut zusammenfasst.

Mit unseren “Sublime”-Events haben wir den Grundstein für ein Shoegaze / Noisepop / Was-auch-immer-Revival gelegt. Gibt es diesen Trend auch in England?

Ja, in Großbritannien gibt es eine Art Nu-Gaze-Revival. Das ist lustig, weil Adorable sich eigentlich immer von Shoegaze distanziert haben – uns waren Songs und Texte wichtig, wir wollten keine Klanglandschaften, und damals wurden wir ziemlich wütend, wenn uns jemand „Shoegaze“ nannte. Heutzutage kann ich mich aber nicht mehr darüber aufregen, wenn uns jemand als Teil der Shoegaze-Bewegung bezeichnet. Vielleicht werde ich einfach alt – ich trage keine Wut mehr in mir. Vielleicht sollten Adorable sich deshalb nicht mehr wiedervereinigen.

Welche Künstler / Bands haben deine Musik am meisten beeinflusst?

Bei Adorable waren das Bands wie Echo & The Bunnymen, New Order, The Jesus & Mary Chain, The Smiths, The House of Love.
Bei Polak waren es eher Bands wie dEUS, Sparklehorse und Beck, aber für das neue Album sind es Leute wie:

Chet Baker
Vincent Delerm

Johnny Cash

Erzähl uns ein bisschen darüber, was dich im Moment so interessiert (Bands, Bücher, Filme usw.).

Ich liebe Filme – ich studierte Film an der Universität, als ich Adorable gründete. Mittlerweile lebe ich in einer kleinen Stadt namens Worthing, die einige Kilometer von Brighton entfernt liegt. Es gibt ein Kino dort, aber das zeigt keine Arthaus- oder fremdsprachige Filme, also habe ich mit einigen Freunden organisiert, dass dort einmal im Monat ein von uns ausgesuchter Film gezeigt wird.
In London leitete ich letztes Jahr das „On Location“ Filmfestival, in dessen Rahmen wir Filme in Gebäuden zeigen, die etwas mit dem Inhalt zu tun haben. In den letzten drei Jahren zeigten wir „Nachts im Museum“ nachts in einem Museum, wobei sich einige als Wachleute verkleideten und andere als Römer verkleidet zwischen den Ausstellungsstücken umherliefen. „The Big Lebowski“ zeigten wir in einem Bowlingcenter, und „Dawn of the Dead“ in einem Einkaufszentrum, und alle kamen als Zombies verkleidet.


Musik: Vor kurzem habe ich mir mit Terry Cashier#9 in einer kleinen Kneipe in Brighton angesehen, die waren toll.

Ich mag die Raveonettes
The Kills

Und die neue Jagwar Ma Single

Bücher: Meine Lieblingsautoren sind Haruki Murikami und Paul Auster. Auster veröffentlichte vor einigen Jahren eine Anthologie mit wahren Geschichten, und ich hatte früher einen Club namens „Speakeasy“, wo die Leute hinkamen und wahre Geschichten erzählten, das war toll. Die einzigen Regeln waren, dass keine Geschichte länger als sieben Minuten sein durfte, und sie musste wahr sein, ansonsten durften die Leute erzählen, was sie wollten. Es wurden einige wirklich phantastische Geschichten erzählt. Einmal verirrte sich zufällig Emiliana Torrini in den Pub (sie wusste nichts über den Clubabend und suchte eigentlich nach einem Freund), und sie hat eine großartige Geschichte über einen Freund erzählt, der in einem Wal feststeckte. Die Leute, die an dem Abend dabei waren, sprechen immer noch darüber, dabei ist das Jahre her.

Wie ist es so, in Brighton zu leben? Manche sagen ja, es sei momentan das bessere London.

Es ist ein aufregender Ort, an dem viel passiert, und man kommt überall zu Fuß hin, weil es nicht sehr groß ist. Ich lebe mittlerweile etwa 15 km weit weg an der Küste, wo es völlig anders ist – sehr ruhig, mit wenig Unternehmungsmöglichkeiten – und das gefällt mir fast genauso gut!

Kannst du uns Bands aus Brighton empfehlen?

Es ist eine talentierte Gegend.
Fujiya & Miyagi sind eine tolle Band - vor vielen Jahren war ich etwa drei Sekunden lang ihr Manager.


Ihr Bassist Matt, für den in Fujiya & Miyagi das „&“ steht, hat gerade seine Debütsingle herausgebracht – Jarvis Cocker von Pulp hat sie in seiner BBC-Radiosendung gespielt.


Hollow Moon sind ebenfalls eine großartige Entdeckung:


Jane Bartholmew ist eine großartige Sängerin und Songschreiberin, mit der ich gerne einmal zusammenarbeiten würde.


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