Neulich als ich eine Wohnung suchte

by - März 01, 2012

Seit längerer Zeit strebe ich halbherzig einen Wohnungswechsel an. Das wird durch verschiedene Faktoren erschwert: Meine gegenwärtige Wohnung ist für Frankfurter Verhältnisse geradezu billig, es scheint auf dem Markt sehr wenige attraktive Mietwohnungen zu geben, und dann ist da noch die Nigeria Connection.

Beeindruckende Küche einer betrügerischen Immoscout-Anzeige
Dieselben Leute, die einen früher per E-Mail in seltsamem Englisch über Erbschaften in Millionenhöhe informierten oder einen baten, gegen extrem gute Belohnung Geld aus einem Krisengebiet zu schleusen, tummeln sich nämlich nun auch auf dem deutschen Immobilienmarkt. Das führt dazu, dass ich mit meinem E-Mail-Abonnement von Immoscout, das mich über verfügbare Mietwohnungen in meiner Preisklasse auf dem Laufenden halten soll, momentan mehrheitlich Spam erhalte.

Das sieht dann so aus, dass mir in derselben Mail eine, zwei oder gar drei Wohnungen angeboten werden, die einfach zu gut sind, um wahr zu sein: riesig, spottbillig, luxuriös möbliert, häufig inklusive aller Nebenkosten einschließlich Strom und WLAN. Der Trick ist dabei folgender: Auf solche Anzeigen soll man sich stets ausschließlich per E-Mail melden. Tut man das, erhält man eine lange, freundliche, englischsprachige Antwort, in der der angebliche Wohnungseigentümer alles mögliche über sein Leben im Ausland und seine Familie (inklusive Hund) erzählt. Bezüglich der Wohnung hatte man ursprünglich geplant, länger in Frankfurt zu leben, und sie deshalb gekauft und ausgestattet. Nun benötigt man sie aber nicht mehr und sucht einen zuverlässigen Mieter wie den aktuellen Bewerber, Geld ist dabei nicht so wichtig. Man habe aber keine Zeit, für die Wohnungsbesichtigung und -übergabe extra nach Frankfurt zu reisen. Deshalb solle der Interessent die erste Miete und Kaution über einen Treuhandservice einzahlen. Sobald das Geld eingegangen ist, erhält er die Wohnungsschlüssel und kann sich ein eigenes Bild von der Immobilie machen. Wenn alles gefällt, kann er sofort einziehen, bei Nichtgefallen schickt man den Schlüssel einfach zurück und bekommt sein Geld selbstverständlich wieder.

Der Fernseher bleibt natürlich drin, und einen Kamin gibt es auch.
Natürlich bekommt man aber nach Geldeinzahlung keinen Schlüssel, und der Treuhandservice ist keiner, sondern Western Union.

Zum Glück sind diese Angebote sehr einfach zu erkennen, weil eben zum ersten der Mietpreis einfach lächerlich niedrig angegeben wird und zum zweiten die Details auch unlogisch beziehungsweise nicht ortsüblich sind: Davon abgesehen, dass wohl kaum ein deutscher Vermieter Stromkosten und WLAN pauschal übernimmt, werden auch Ausstattungsmerkmale wie eine Klimaanlage angegeben, die man in deutschen Wohnungen normalerweise nicht vorfindet.

Leider nimmt die Zahl dieser Angebote mittlerweile so zu, dass mich innerhalb einer Woche im Februar, als ich mir die Mühe machte, nachzuzählen, neun dieser Betrugsinserate erreichten - und nur zwei echte Wohnungen. Es ist natürlich ziemlich ärgerlich, diese Betrugswohnungen wieder und wieder angeboten zu bekommen, und offenbar fällt es Immoscout schwer, etwas dagegen zu unternehmen. Oft sind die Angebote schon Stunden, nachdem sie eingestellt wurden, bereits wieder gelöscht, aber die Mails mit den Links zu ihnen erhalte ich trotzdem.

Wer bei diesem Preisvergleich keinen Betrug riecht, ist ziemlich leichtgläubig.
Übrigens werden für die Frankfurter Objekte immer wieder dieselben Adressen angegeben, und mit der Zeit hat man diese einfach im Kopf, was ihre Identifikation nochmals vereinfacht. Sollte allerdings tatsächlich einmal ein seriöser Vermieter eine tolle und günstige Wohnung an der Wiesenau 44, der Niedenau 59 oder der Rossittener Straße 13a zu vergeben haben, werde ich dieses Inserat mit Sicherheit löschen und verpassen.

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