Nach dem gestrigen Bericht zur Infrastruktur wird es nun Zeit, von den Bands zu erzählen, immerhin waren wir ja bei einem Festival. Bei u...

Maifeld Derby 2012 - die Musik (Tag 1)

Nach dem gestrigen Bericht zur Infrastruktur wird es nun Zeit, von den Bands zu erzählen, immerhin waren wir ja bei einem Festival.

Bei unserem Eintreffen am Samstag besuchten wir wie bereits erwähnt zunächst den Auftritt des Sängers von

We Invented Paris


Die Performance im mit genähten Stoffherzen und Blumen dekorierten "Parcours d'Amour" war bei unserer Ankunft schon relativ weit fortgeschritten. Flavian Graber spielte zunächst sitzend an einem liegenden Akkordeon und sprach über seine Freude über die just am Freitag erfolgte Veröffentlichung der neuen Single "Bubbletrees", die er uns dann, nachdem er wieder zur Gitarre gegriffen hatte, zusammen mit weiteren Songs präsentierte. Auf die Bekanntgabe der sehr auf ihren Zeitplan bedachten Veranstalter, dass er nur noch 3 Minuten habe, beendete er auf Anregung eines Fans das Set mit „Silence“ und empfahl die im Parcours vorhandene beste (und einzige) Weinbar des Festivals.

Wir wanderten anschließend zum dieses Jahr übrigens deutlich weniger nach Pferd riechenden Festzelt, wo

Susanne Sundfør


bereits mit ihrem Auftritt begonnen hatte. Die von a-ha und Herbert Grönemeyer geschätzte norwegische Solokünstlerin absolvierte einen sehr beatlastigen und elektronischen Auftritt, präsentierte einige Songs aus ihren Alben „The Brothel“ und „The Silicone Veil“, verschanzte sich weitgehend hinter Synthesizern und zeigte sich dann für einen etwas aufgesetzt wirkenden Tanz. Der Funke zum Publikum sprang nicht so recht über, dafür sah immerhin die Bühne interessant aus, die war nämlich mit einer Netzkonstruktion überspannt, die an Sundførs Albumcover und Homepage erinnert. Nach der Single „White Foxes“ verließen wir einige Minuten vor dem Ende des Konzerts das Zelt, um ...

Erland & The Carnival


auf der Open Air-Bühne  zu sehen. Der erste bestätigte Musikact des Festivals war für uns ein Hauptvorfreudegrund gewesen. Die Indie-Folk-Band um Simon Tong (der auch schon bei The Verve und den Gorillaz spielte) und den an traditionellem Folk interessierten Erland Cooper begann mit einem Soundcheck und spielte dafür nicht ohne Ironie angesichts des Festivalnamens ihr Lied "The Derby Ram" mit dem Refrain "If you've ever been to Derby / You'd know the reason why / If you've ever been to Derby / You'd see the same as I".

Anfangen durften sie jedoch nicht, da das Konzert im Zelt noch nicht beendet war. Erland verließ mit einem „Good night and thank you“ auf den Lippen die Bühne, um dann passend mit dem Song „My name is Carnival“ zurückzukehren, wobei ich gestehen muss, dass ich trotz bravem Vorab-Albenhören viele ihrer Songs nicht erkannte.


Leider wurde das Publikum während dieses Konzerts ziemlich nass, was der wirklich großartigen Stimmung aber keinerlei Abbruch tat - selten stand ich bei einem Konzert neben begeisterten Tänzern und hatte nicht das Gefühl, dass ich jeden Moment niedergeschlagen werde. Bei Erlands Fans klappte das.



Setliste vom Konzerttagebuch:

The Derby Ram (nur beim Soundcheck)
My name is Carnival
So tired in the morning
Emmeline
Trouble in mind
Nightingale
Was you ever see
Everything came too easy
You don't have to be lonely
Gentle Gwen
Love is a killing thing

Zum Trocknen gingen wir zurück ins Zelt zu

Olli Schulz


der bei unserem Eintreffen bereits auf der Bühne stand - die diesjährigen Maifeld-Auftritts-Übergänge waren in unserem fortgeschrittenen Alter trotz der kurzen Wege kaum zu bewältigen! Olli war allein mit seiner Gitarre da und erzählte wie üblich zwischen seinen Liedern viel, zum Beispiel darüber, dass einen Kommentare zu Youtube-Videos an der Welt verzweifeln lassen, dass das Lied "Halt die Fresse krieg ein Kind" angeblich ein Ausbruch von ihm gegenüber einer Journalistin war, die seine Teilnahme am Bundesvision Songcontest kritisiert hatte und dass ein Mitglied eines sehr schweigsamen Livepublikums in Erlangen von ihm einen Song namens "Der Rumäne" forderte, den er sich dann gezwungen fühlte, spontan zu komponieren. Er spielte Neues und Altes und baute in eine Version von "Song ohne Grund" deutschsprachige Hits aus den letzten zwanzig Jahren ein ("Hungriges Herz", "Hier kommt die Sonne", "Landungsbrücken raus", "Allein allein", "Geile Zeit", "Sinfonie", "Du hast", "Mensch", "1000 und 1 Nacht", "Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf" und einige mehr), weil alle diese Künstler angeblich bei ihm geklaut haben.


Zusätzlich gab es noch eine etwa überflüssige "Wonderwall"-Coverversion einer aus dem Publikum gefischten Dame  - die damit Ollis aktuelles Album "S.O.S. - Save Olli Schulz gewann - sowie den Einbau einiger internationaler Hits ("With or without you", "Hey Hey My My") mitten in Olli-Songs, oder er unterbrach diese, wie „Nimm mein Mixtape, Babe“, um über Eagle Eye Cherrys "Save Tonight" zu erzählen und dessen eingdeutsche Version einzubinden.

Insgesamt ein Olli Schulz-Konzert, wie man es erwartet: Amüsant, überdreht und ein bisschen aggressiv.

Setliste vom Konzerttagebuch:

Schrecklich schöne Welt
Spielerfrau
Halt die Fresse, krieg ein Kind
Song ohne Grund
Bettmensch
So lange einsam
Wonderwall (Oasis Cover mit Patricia)
Die Ankunft der Marsianer
Bloß Freunde
Dann schlägt dein Herz
Der Rumäne
Nimm mein Mixtape, Babe
Der Moment


Nach einer Essenspause, in der wir Balthazar verpassten, ging es für uns weiter mit den Headlinern des ersten Abends,

Friska Viljor


Würde man meinen Freund nach dem idealen Friska Viljor-Konzert fragen, würde er sagen: "Sie spielen ihr erstes Album "Bravo!" komplett und dann noch ein paar Hits aus den übrigen Veröffentlichungen." Freitag war sein Glückstag, denn genauso kam es. Daniel Johansson und Joakim Sveningsson eröffneten das Set zu zweit mit "Shotgun Sister", der Rest der Bands folgte, hauptsächlich in weiß gekleidet, nach dem ersten Lied. Nach einigen weiteren älteren Liedern meinte eine Konzertbesucherin zu ihrer Begleiterin: „Wie eine Zeitreise!“ oder auch „Das ich das noch erleben darf!“. Erst einige Titel später klärte Joakim auf, dass die Band dieses Jahr nur bei wenigen Konzerten auftreten und am heutigen Abend extra ihr erstes Album „Bravo!“ komplett vom ersten bis zum letzten Song spielen werde.

Mit vielen Falsettchören und "Lalala"-Refrains, Crowdsurfing und Sprüngen vom Schlagzeugpodest zeigte die Band nicht nur ihre eigene gute Laune sondern sorgte auch für exzellente Stimmung im Publikum. Vielleicht lag das große Engagement auch daran, dass es sich um das Abschiedskonzert von Schlagzeuger Markus Bergqvist handelte.



Setliste vom Konzerttagebuch:

Shotgun sister
Gold
Four points
Oh Oh
I gave my life
Friskashuffle
Puppet cabaret
We are happy now (la la la)
Goldfish
Monday
Tell me

On and on
What you gonna do?
If I die now
Wohlwill
Arpeggio
Old man



Hooded Fang

konnten uns im Anschluss nicht mehr in ihren Bann ziehen, nach drei Liedern fuhren wir nach Frankfurt ins Bett. Nicht in den Club, in das zum Schlafen.

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