Prominenz im Großbild: Rankin in Düsseldorf

U.


Ich kann den Grund selbst nicht so richtig erklären, aber während mir nicht im Traum einfiele, eine Castingshow wie Deutschland sucht den Superstar oder The X Factor anzusehen, kenne ich so gut wie jede Staffel von Germany's Next Topmodel - wenn auch mein Interesse deutlich nachgelassen hat, seit ich die Sendung nicht mehr Sekt trinkend und lästernd bei den Nachbarn sehen kann (die gemeinerweise weggezogen sind). Heidis Model-Such-Serie hat den offensichtlichen Vorteil, dass darin nicht gesungen wird, doch vieles andere - die plumpe Manipulation der Teilnehmerinnen und Zuschauer, das endlose Hinauszögern von Entscheidungen, das Einhämmern von bedeutungslosen Phrasen wie "ich muss 100 Prozent geben", die nicht wirklich vorhandenen Karrierechancen für die Siegerin - ähnelt sich in allen genannten Formaten doch extrem.

Rankin - Show Off, Poster © Rankin 
Eine weitere Eigenschaft von Germany's Next Topmodel ist, dass dort Leute als große Modekoryphäen vorgestellt werden, die das offensichtlich nicht - oder in sehr viel kleinerem Ausmaß - sind. Seien es Jurymitglieder, Laufstegtrainer oder Fotografen, häufig muss man Heidis Behauptung (das natürlich von den Teilnehmern nachgebetet wird) akzeptieren, dass es sich hier um die ganz Großen ihres Fachbereichs handelt, von denen man als Laie eben einfach noch nie gehört hat.

Meine Zweifel an diesen Behauptungen sind mit den Jahren so groß geworden, dass ich den Fotografen Rankin zwar bereits aus mehreren Topmodel-Staffeln kannte - er absolvierte stets ein besonders schwieriges Shooting mit den Möchtegernmodels und wurde dabei wiederholt als fotografische Berühmtheit bezeichnet - mir aber keineswegs sicher war, ob er außerhalb der Pro Sieben-Welt auch nur annähernd so wichtig und berühmt ist, wie er den Zuschauern verkauft wurde.

Heidi Chocolate Eyes Shut, 2009 © Rankin 
Nun, er ist es. Und so muss die zukünftige Frage also wohl nicht mehr "Ist dieser Rankin eigentlich so bedeutsam, wie die immer tun?" lauten, sondern "Warum zur Hölle macht ein derart erfolgreicher Fotograf wiederholt bei einer Sendung wie Germany's Next Topmodel mit? Folglich stimmt möglicherweise auch eine weitere, mich sonst wenig überzeugende These der Sendung, nämlich die, dass Rankin und Heidi Klum sich sehr gut verstehen.

Warum schreibe ich das alles eigentlich? Nun, ich war letzte Woche in einer riesigen Rankin-Retrospektive. Ich war in Düsseldorf, die Ausstellung befand sich in unmittelbarer Nähe unserer Konzertverpflichtungen, das Plakat sah interessant aus - warum also nicht ansehen, was Rankin so zu bieten hat?

Studded Mask, 2010 © Rankin 
Menschen, die wie ich mit relativ wenig Vorkenntnissen in die Museumsräume kommen (dass ich nicht sonderlich viel von Fotografie verstehe, kommt noch hinzu), leistet die Ausstellung keine besonderen Hilfestellungen: Nach einem kurzen Einführungstext geht es einfach los. Zunächst betrachtet man die vielen, vielen Prominentenbilder, die der Fotograf - sicherlich häufig für Zeitschriften - gemacht hat. Madonna, Michael Jackson, die Spice Girls, Blondie, Richard Ashcroft, Damon Albarn, Pete Doherty, die englische Queen(!), alle sind sie da, und dazwischen immer wieder sein besonderer Liebling Heidi Klum. Die Bilder an sich ähneln sich nur in ihrer Großformatigkeit, die Portraits an sich sind zwar allesamt originell und auffällig, aber auch höchst unterschiedlich.

Im Verlauf des Ausstellungsbesuchs, zu dessen Beginn man übrigens vor möglicherweise verstörenden Darstellungen sexueller Art gewarnt wird, lernt man aber auch andere Seiten des Rankin-Stils kennen. Da wären zunächst überraschend humorvolle Selbstportraits: Der Fotograf tröstet sich selbst als kleinen Jungen, ist Superman oder küsst sich selbst. Dann gibt es Neuversionen seiner bekannteren Bilder mit anderen Models. In Fotoserien werden mehrere Frauen im selben Kleid dargestellt, oder präsentieren Mode offenbar, kurz nachdem sie einen tödlichen Unfall hatten (was ich übrigens verstörender fand als die - teils allerdings wirklich ganz schön explizite - Nacktheit).

Sitting Pussy Cat, 2001 © Rankin 
Und dann wird es ganz bizarr, wenn Menschen in einer Kooperation mit Damien Hirst als Mensch-Tier-Hybride dargestellt werden oder Frauen abgelichtet werden, die teils Mensch, teils Katze sind. 

Wie gesagt, bezüglich Erklärungen bietet die Ausstellung nicht sonderlich viel, weshalb ich zum Beispiel nicht weiß, ob die Ordnung von Promifoto nach Chimäre auch die Entwicklung des Künstlers darstellt oder einfach thematisch getrennt wurde. An manchen anderen Stellen hätte ich noch weitere Fragen gehabt (Warum hängt neben dem großen Michael Jackson-Bild nochmal dasselbe in klein? Was war der Anlass für die Neuversionen mancher Prominentenbilder mit anderen Modellen? Ist es Zufall, dass ausgerechnet die Bilder von Rankins Gattin Tuuli schon fast BILD-Seite 3-Niveau haben? Für solche Informationen müsste man wohl eine Führung besuchen, oder aber sich einfach besser auskennen.

Insgesamt also eine durchaus sehenswerte Ausstellung mit Erinnerungswert. Bis zum 13. Januar kann sie noch im NRW-Forum Düsseldorf betrachtet werden.

At Last I’ve Found True Love, 2004 © Rankin

2 Kommentare:

  1. zum michael jackson portrait kann ich nur sagen, dass du wohl nicht gerade aufmerksam durch die ausstellung gegangen bist. das großportrait war "echt", das kleine wurde insofern nachbearbeitet, dass michael jackson eine normale nase hatte, ein runderes kinn... also das gesicht verändert.

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  2. Mindestens eines der beiden Bilder zeigt gar nicht Michael Jackson, sondern ein Double, das ihm laut Rankin gar nicht allzu ähnlich sah, durch digitale Bearbeitung aber zur perfekten Kopie wurde (Link), was wohl einen Kommentar zur immer größeren Bedeutsamkeit der digitalen Nachbearbeitung darstellen soll.
    Das wurde leider, wie oben angesprochen, in der Ausstellung nicht erklärt.

    Die digitale Fälschung war anscheinend so perfekt, dass sie auch aufmerksamen Ausstellungsbesuchern nicht auffiel.

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