Ein halbes Jahr Verspätung: Sizarr im Frankfurter Zoom

U.

Sizarr sind mir namentlich seit dem diesjährigen Maifeld-Derby ein Begriff. Die sehr junge deutsche Band aus Landau war für einen Zeitpunkt eingeplant gewesen, an dem ein gewaltiges Gewitter jegliche Musikausübung verhinderte. Letztlich musste der Auftritt ganz abgesagt werden.

Fürs nächstjährige Maifeld Derby haben wir nun auch schon „Überraschungstickets“ (es sind noch keine Bands bestätigt), vielleicht wird es dann ja etwas mit Sizarr. Allerdings kenne ich die Band mittlerweile sowieso, denn inzwischen erschien das Debütalbum, und gestern trat sie im Rahmen ihrer ersten Tournee im Frankfurter Zoom auf.

Der Merchandise-Stand am Eingang verfügte neben dem normalen Sortiment von T-Shirts, CDs, Platten und Jutetaschen auch über Ungewöhnliches wie Jo-Jos, Turnbeutel und sogar Bandwein.  Nicht nur die Jo-Jos erinnerten mich an meine Schulzeit, auch das Publikum schein sich frisurentechnisch und modisch in dieser Epoche sehr wohl zu fühlen – es sah aus, als hätte es vor dem Konzert noch schnell einen Gruppenausflug zu „Urban Outfitters“ gegeben.


Als Sizarrs Vorband zu spielen begann, füllte sich langsam aber sicher der Zuschauerraum vor der Bühne. I Confess, der mit echtem Namen Christian Kühn heißt, ist ein 23jähriger Singer / Songwriter, der seine zumeist ruhigen Songs zu Gitarre und gelegentlichen Beats aus dem Laptop vortrug. Ein Album hat I Confess noch nicht.  Seine verhuschten Ansagen waren nur schwer verständlich, so konnte der Name erst durch eine Internetrecherche geklärt werden. Er tritt bei 4 Konzerten im Vorprogramm von Sizarr auf, die sich sein Konzert von vor der Bühne aus ansahen. Philipp bekam auch eines seiner Lieder gewidmet.

Der Hauptact Sizarr war zunächst wenig zeremoniell mit dem Aufbauen beschäftigt, so dass es keinen beklatschen Einzug gab, sondern die Band, als alles fertig war, einfach mit „Mushin“ begann. Die drei  Musiker waren live, anders als nach dem Hören des recht elektronischen Albums befürchtet, viel mit ihren „richtigen“ Instrumenten zugange: Fabian (Gesang, Gitarre) machte sich gelegentlich auch am Synthesizer zu schaffen und schwang Rasseln, Philipp (Synthesizer, Gitarre) und Marc (Schlagzeug) waren sowieso mit ihren Instrumenten beschäftigt, wobei Philipp auch mitsang.


Die Band wies zwischendurch darauf hin, dass heute Abend viele Freunde von ihnen gekommen seien (diese bekamen auch ein Lied gewidmet), auch sonst wäre uns aufgefallen, dass viele der Anwesenden die Bandmitglieder zu kennen schienen. Das war vielleicht der Grund für die etwas widersprüchliche Stimmung im Zoom: Mir erschien die grundsätzliche Begeisterung für die Band sehr groß zu sein, gleichzeitig wurde aber gerade beiden ruhigen Liedern unglaublich viel geredet, so dass ich den Eindruck bekam, das Interesse an diesem konkreten Auftritt sei nicht gerade riesig.

Das folgende Lied wurde dem gesamten Publikum („also allen unseren neuen Freunden“) gewidmet, außerdem wurden wir aufgefordert, an einem Fotowettbewerb teilzunehmen, in dessen Rahmen man Bilder zu dieser Tour (aber nicht von der Band) einreichen soll.  Und wir bekamen erklärt, dass Fabians Vater Winzer sei, was den Sizarr-Wein am Merchandise-Stand erklärte.


Bei Bands mit nur einem Album fallen die Liveauftritte materialmangelbedingt immer recht kurz aus, und tatsächlich wurde jeder Song von „Psycho Boy Happy“ plus ein zusätzlicher („Fake Foxes“) gespielt. Mit der besonders umjubelten Single „Purple Fried“ endete das reguläre Set, natürlich kam aber auch noch eine Zugabe. Als eine Coverversion angekündigt wurde, rechneten wir bereits fest mit Radioheads „Lucky“, das die Band für einen Musik Express-Beileger aufgenommen hatte, stattdessen hörten wir das im Original unsägliche „Would I Lie To You“ von Charles & Eddie, das aber in der gespielten Version zu einem geradezu guten Song mutierte. Danach folgte noch die ebenfalls stark umjubelte erste Single „Boarding Time“.

Die erste Reihe des Publikums bestand übrigens ausschließlich aus sehr jungen Mädchen, so dass möglicherweise auch das Teenie-Segment fantechnisch erschlossen werden kann – wobei ich vermute, dass die Band das nicht möchte.


Setliste:

Mushin
Word Up
Pocket Walt
PBEW
Run Dry
Fake Foxes
Cat Mountaineer
Blade
Icy Martini
Mulo
Tagedieb
Purple Fried

Would I Lie
Boarding Time

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